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Unerwünschte Fellveränderung beim Bolonka

Urmel, 8 Wochen alt - spärlicher Haarwuchs an Ohren und Schnauze

Urmel, 8 Wochen alt - spärlicher Haarwuchs
an Ohren und Schnauze

Das Fell beim Bolonka gibt es in unzähligen Varianten. Lockig, wellig, fast glatt, seidig weich, flusig, fellreich und plüschig und noch viele andere Möglichkeiten – die vielfältigen Farben mal ganz außen vor gelassen. Alle diese Varianten bewegen sich im Rahmen der verschiedenen Standards und haben eines gemeinsam: es handelt sich um recht weiches Fell, welches dem Standard entsprechend lang getragen wird, da der Bolonka zu den Langhaarrassen gehört (auch wenn einige Besitzer ihn zum "Kurzhaarbolli" machen). Auch haben alle Bollis reichlich Fell an den Ohren, das Schnäuzchen hat einen richtigen Bart und die Beine sind vollständig behaart, ebenso der restliche Körper. So sollte es jedenfalls sein. Aber nun gibt es ja immer die berühmten Ausnahmen.

Es werden Welpen geboren, die etwa ab der 5. – 8. Lebenswoche "anders" aussehen. Da wächst der Bart nicht richtig, die Ohren sind im Vergleich mit anderen Welpen fast kahl, die Beinchen spärlich behaart. Bei manchen Welpen ist das Fell nicht flauschig, sondern eher "rauhaarig", bei anderen ähnelt die Fellstruktur der eines Terriers. Viele dieser Hunde sind außerdem auffallend klein.

Nun könnte der erste Gedanke sein, dass der Züchter schlicht die falschen Hunde verpaart hat. Dies trifft allerdings in den wenigsten Fällen zu. Wenn man dann beide phänotypisch standardgemäßen Elterntiere und die Geschwister sieht, welche normal und rassespezifisch aussehen, kommt man ins Grübeln.



Urmel, 8 Wochen alt - spärlicher Haarwuchs an den Beinen

Urmel, 8 Wochen alt - spärlicher Haarwuchs
an den Beinen

Wie kann es also zu dieser Veränderung kommen?
Es gibt Bolonkas, die immer noch unerwünschte Gene ihrer Vorfahren tragen. Ob nun die Gene des Urvaters aller Hunde, dem Wolf, zum Vorschein kommen oder die längst vergessener Vorfahren fremder Rassen – keiner weiß es. Rassereine Bolonkas sehen auf einmal aus wie Mischlinge. Oft wird hier vom Stockhaarsyndrom gesprochen, auch wenn es sich nicht immer wirklich um Stockhaar handelt. Eher sind es meist die Ahnen, die wir dort zu Gesicht bekommen. Um die Rasse "Bolonka" zu generieren, wurde gezielt "gemischt". Es wurden in Russland Hunde eingesetzt, die phänotypisch – also vom Aussehen her – den Ansprüchen an den Bolonka entsprachen. Über die Herkunft dieser Hunde und aus welchen Rassen sie entstanden sind, gibt es heute (und wahrscheinlich damals auch nicht) kaum mehr Informationen. Diese Mischung war notwendig, um einen größeren Genpool zu erhalten. Je kleiner der Genpool einer Rasse ist, umso mehr Schwieigkeiten können in der Zucht auftreten. Auch kam es immer wieder zu Einkreuzungen anderer Rassen (mal mehr, mal weniger offiziell), um Farbe und Fell zu "verbessern". Andere Bichonrassen, wie Bologneser und Havaneser, aber auch z. B. Yorkshire Terrier, hinterließen ihre Gene (einschließlich ihrer Gendefekte). Lang ist es her, oftmals viele Generationen, dass die oben genannte Mischung ausgeführt wurde, aber diese Gene existieren immer noch innerhalb der Population.

Dazu kommt natürlich noch das "richtige" Stockhaarsyndrom, eingebracht z. B. durch Einkreuzen des Havanesers. Bekannt ist vor allem, dass in Russland russische Toyterrier eingekreuzt wurden. Auch diese Rasse kann man noch in einigen Bolonkas erkennen.



Urmel, 8 Wochen alt - spärlicher Haarwuchs an den Beinen

Urmel, 8 Wochen alt - spärlicher Haarwuchs
an den Beinen

Vererbung und Zucht
Die genaue Vererbung ist leider noch nicht zu 100 % erforscht. Müssen beide Elterntiere dieses Gen tragen, damit ein solcher Welpe fällt? Reicht es, wenn nur ein Elterntier diese Erbanlagen mitbringt? Spielt der Zufall eine große Rolle?

Sicher kann man sagen, dass die Gene der eingekreuzten Rassen über viele Generationen unerkannt vererbt werden können. Sicher ist eigentlich auch, dass die Erbfolge einfach rezessiv ist, das heißt, dass beide (phänotypisch) völlig normal aussehenden Elterntiere Träger dieses Gens sein müssen, um dann gemeinsam solch einen untypischen Bolonka zu zeugen.

Damit sind zwar schon einige Fragen geklärt, aber viele sind noch offen. Darunter auch die wichtigste Frage: Wie verhindere ich, dass betroffene Tiere in die Zucht gelangen bzw. miteinander verpaart werden? Wenn man wüsste, wer das Gen trägt, könnte man gezielt Träger mit Nicht-Trägern verpaaren und es gäbe keinerlei Probleme.



Urmel ausgewachsen

Urmel ausgewachsen

Sie können helfen!
Um dieses Ziel zu erreichen, hat eine Züchterin Kontakt mit einem Genetiker in der Schweiz aufgenommen, Herrn Prof. Dr. Tosso Leeb, Universität Bern, Institut Genetik, Bern. Herr Prof. Dr. Leeb möchte das Problem der "Kurzhaarigkeit" beim Bolonka in sein Forschungsprogramm aufnehmen. Für den Einstieg benötigt er Blutproben von 20 "Kurzhaar-Bolonkas" aus möglichst vielen verschiedenen Würfen. Von den jeweils 20 "Kurzhaar-Bolonkas" und allen Geschwistern (auch den phänotypisch makellosen Welpen) werden sogenannte EDTA-Blutproben benötigt, die vom jeweiligen Tierarzt an das Institut Genetik geschickt werden müssen. Das Institut ist auf die Mithilfe betroffener Züchter und Halter angewiesen, denn ohne diese Blutproben kann keine Forschung betrieben werden, um einen entsprechenden Gentest zu entwickeln.


Bolonka, 8 Wochen alt mit normalem Haarwuchs

Bolonka, 8 Wochen alt - normaler Haarwuchs

Im Forum finden Sie die benötigten Unterlagen zum Ausdrucken für Ihren Tierarzt sowie nähere Erläuterungen zur genauen Vorgehensweise.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Auch diese rasseuntypischen Bolonkas sind Bolonkas und haben ein Recht auf Papiere. Allerdings sollten dort der Zuchtausschluss und der entsprechende Fellfehler vermerkt sein!


Bildmaterial freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Annette Jung, Zucht vom Labussee

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