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Autoimmunerkrankungen

"Autoimmunerkrankung (AI)" ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, die ihre Ursache in einer Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe haben. Das Immunsystem erkennt fälschlicherweise eigenes Gewebe als Fremdkörper an, der zu bekämpfen ist. So kommt es zur Bildung von Antikörpern und daraus folgend zu schweren Entzündungen, die die betroffenen Organe schädigen (können).

Beim gesunden Hund werden solche "Killerzellen" vom eigenen Immunsystem schon zerstört, bevor sie im Körper Schaden anrichten können. Liegt aber eine AI vor, verhalten sich bestimmte Arten dieser Zellen abweichend und befallen gesundes Gewebe. Wird der Prozess nicht gestoppt, setzt sich im Regelfall die Entzündungsreaktion so lange fort, bis das befallene Gewebe komplett zerstört ist.

Klassifikation
Es gibt drei Formen von AIen:
  1. Organspezifische: bestimmte Organe werden befallen (Haut, Leber, Schilddrüse)
  2. Systemische: unterschiedliche Organe/Strukturen werden befallen
  3. Intermediäre: Misch- oder Übergangsformen (nicht selten!)
Beispiele aus der Humanmedizin: Colitis ulcerosa, Diabetes mellitus Typ1, Hashimoto-Thyreoiditis, Lupus erythematodes, Morbus Basedow, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Myasthenia gravis, Pemphigus foliceus/seborrhoicus/vulgaris, Rheumatoide Arthritis, Sarkoidose, Vitiligo, Zöliakie. Viele dieser Krankheiten können auch beim Hund auftreten, so zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, Pemphigus, Lupus, IBD (inflammatory bowel disease/vgl. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn).

Entstehung
Die genaue Ursache ist trotz intensiver Forschung bis heute unklar. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus Vererbung (angeborene Empfänglichkeit/genetische Disposition) und einem Auslöser/mehreren Auslösern (Trigger) aus der Umwelt. Diskutiert wird weiterhin eine Fehlfunktion bei der oben genannten Auslese von "Killerzellen" durch das eigene Immunsystem.

Diagnose
Wie oben schon beschrieben, spielen Antigene und Antikörper eine große Rolle im Geschehen einer AI. Wird ein bestimmter Wert dieser Antikörper (bspw. ANA) im Blut überschritten, so spricht man von einem pathologischen Wert, der auf eine bestehende AI hinweist. Allerdings ist die Diagnostik weit komplizierter und sollte von einem Fachmann erstellt werden.

Therapie allgemein
Eine kausale Therapie, also eine Therapie, die die Ursachen der AI beseitigt, ist aufgrund fehlenden Wissens um die Ursache nicht möglich. Immunsuppression (Unterdrückung der Immunreaktion) und Entzündungshemmung sind Möglichkeiten, symptomatisch an das Krankheitsbild heranzugehen. Dies geschieht z. B. durch Cortison. Hierfür muss der betroffene Hund bei den jeweiligen Fachärzten vorgestellt werden, so etwa beim Internisten, beim Dermatologen, beim Neurologen oder beim Endokrinologen.



Bekannte Autoimmunerkrankungen beim Hund

Da auch unter Hunden die AIen zunehmen und wir leider im Portal-Forum einen Krankheitsverlauf hautnah miterleben konnten, möchten wir hier zwei AIen, die besonders die Haut befallen, näher beschreiben: Lupus und Pemphigus.


Diese Fotos zeigen den Krankheitsverlauf des betroffenen Bolonkas Lines

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Diagnose: Pemphigus chronicus benignus familiaris
(autosomal - dominant vererbte Erkrankung mit Blasenbildung der Haut bei mechanischer Irritation, z. B. Sonnenbestrahlung u. a.)

Lebenslange Medikation: Cyclosporin


Bildmaterial freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Sabine Hamm-Zichel, Besitzerin von Lines


  • Lupus (Diskoider Lupus Erythematodes/DLE)
    Die AI Lupus tritt in mehreren Unterformen auf, wobei beim Hund vor allem der diskoide Lupus erythematodes eine Rolle spielt. Er befällt vorrangig die Haut und dort meist den Nasenspiegel, wobei auch die Übergänge von Haut zu Schleimhaut bei Maul und Auge, die Ohrmuschel, die Genitalien oder Extremitäten betroffen sein können. In einigen Fällen kann sich der Hund eine sekundäre (also "draufgesetzte") Infektion der betroffenen Stellen mit Bakterien zuziehen, welche eine Behandlung mit Antibiotika notwendig machen kann. Meist sind die Symptome im Sommer stärker, weshalb davon ausgegangen wird, dass UV-Einstrahlung den Ausbruch der Erkrankung begünstigt (Trigger).

    Symptome
    Hauptsymptome sind Pigmentverlust, Rötung der Haut, Ödeme, Geschwüre, Krusten, Haarausfall, Hautverhornungen und andere.

    Diagnose
    Bei der Diagnose stützt sich der Arzt hauptsächlich auf eine Biopsie (Entnahme von Zellgewebe an betroffenen Stellen) und eine sich daran anschließende histologische Untersuchung der Proben. Lupus richtet sich gegen Zellkerne (eigentlich in der Zelle "verpackt"), welche nach dem Angriff des Immunsystems frei im Blut zu finden sind. Das Immunsystem bildet antinukleare Antikörper (o. g. ANA), welche die Zellkerne beseitigen sollen. Diese ANA sind im Blut messbar und liefern somit ein weiteres Indiz für Lupus. Die Diagnose ist allerdings selten einfach: die oben genannten Parameter sind durch viele mehr zu ergänzen und müssen auch nicht immer gleichzeitig auftreten.

    Behandlung
    Da DLE vor allem lokal begrenzt auftritt, behandelt der Arzt die betroffenen Stellen meist mit immununterdrückenden Salben und/oder Tabletten. Auch sollte der Hund im Sommer vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Genügt die lokale Therapie nicht, muss eine systemische durchgeführt werden (meist mit Antibiose und Immunsuppression durch bspw. Glucocorticoide).

    Die weit gefährlichere Variante des Lupus ist der systemische Lupus erythematodes (SLE), der, wie der Name schon sagt, das komplette System "Körper" befällt.



  • Pemphigus
    Die beim Hund am häufigsten auftretenden Pemphigus-Varianten sind Pemphigus foliaceus (PF) und Pemphigus erythematosus (PE).

    Diagnose/Klinik
    Der Pemphigus richtet sich gegen Verbindungsstrukturen zwischen den Zellen der Haut (Lupus = gegen Zellkerne), weshalb im Blut bestimmte ANA-Werte meist negativ sind. Dabei tritt der PF vor allem im Bereich der Epidermis auf und zeigt sich oft an Nase, Nasenrücken, Umgebung der Augen, Ohren und Pfoten.

    Der PE dagegen tritt vor allem an Übergängen zwischen Haut und Schleimhaut auf.

    Das Krankheitsbild des PF beginnt mit Pusteln, welche aber aufgrund der dünnen Epidermis des Hundes bald aufplatzen. Meist sieht man nur noch die Krusten, die bei der Heilung entstehen. Unterschiedlich schwer ist der Juckreiz, der auch ganz fehlen kann. Übermäßige Verhornungen der Ballen und beschleunigtes Wachstum der Krallen können auch Symptome sein.

    Hauptsymptom beim PE ist oft ein Verlust der Pigmente im Bereich des Nasenspiegels, die Ausbildung eines Ödems, das die Falten der Nase glatt werden und aufgrund der erhöhten Hautspannung dann die Nasenhaut bluten und verkrusten lässt.

    Behandlung
    Ebenso wie Lupus werden PF und PE vorrangig lokal behandelt. Erzielt die Behandlung keine (ausreichende) Wirkung, wird systemisch gearbeitet. Natürlich wird daraufhin gezielt, die Behandlung mit Antibiotika und Cortisonpräparaten möglichst bald zu reduzieren oder gar abzusetzen.



Begriffserklärung:

Atopie = ungewöhnlich, seltsam
Dermatitis = entzündliche Hautreaktion
juvenil = jugendlich
Pyodermie = Grind/Eiterausschläge der Haut
Impetigo = Eiterflechte
Pemphigus = Blasensucht


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